In diesem Blogbeitrag geht es um zwei Themen: Die Triple Bottom Line und das Thema „Minimalistisch-Regenerativ führen“.
Regeneratives Wirtschaften ist aus meiner Sicht die Forderung der Stunde, der wir uns nicht verschließen dürfen und ein minimalistischer Führungsstil kann hier einen sehr wertvollen Beitrag leisten.
Was hat das alles mit dem Triple Bottom Line Ansatz zu tun? Wir denken, dass das Triple Bottom Line Modell (zu deutsch: 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit) einen hervorragenden Rahmen bietet, um minimalistisch-regenerative Führung zu gestalten. In unserem Business-Minimalismus Ansatz versuchen wir, mit wenigen, wirkungsvollen Modellen auszukommen, weniger zu steuern und mehr zu ermöglichen. Und die Triple Bottom Line spielt hier eine entscheidende Rolle.
Lass uns zuerst einen Blick auf den Begriff „Triple Bottom Line“ werfen.
1. Der Ursprung des Triple Bottom Line Modells
Es war John Elkington, der den Triple Bottom Line Ansatz in den 90er Jahren entwickelt hat.
Doch was steckt hinter dem Ansatz?
„Der Begriff Triple-Bottom-Line ist ein Ansatz für Unternehmen, um in der Unternehmenspolitik Prinzipien der Nachhaltigkeit langfristig zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Der Ansatz wird in der Literatur auch Drei-Säulen-Modell genannt und besteht aus den drei Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales.“1
Was bedeutet Bottom auf deutsch? „Bottom Line“ steht in der englischen Buchhaltung für den unteren Strich in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Darunter steht der Profit. Elkington hat hier die Dimensionen Ökologie und Soziales hinzugefügt. Die Triple-Bottom-Line steht für den Mehrwert, den ein Unternehmen auf der Basis einer zugleich ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielsetzung erreicht. Elkington hat sich mit seiner Beratungsfirma auf die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) spezialisiert. Er gilt als einer der Protagonisten für Corporate Social Responsibility.
2. Die 3 Bereiche des Triple Bottom Line Ansatzes
Lasst uns einen Blick auf die 3 Dimensionen des Triple Bottom Line Modells werfen und was sie für Deine minimalistisch-regenerative Führung bedeuten.

Säulenmodell der Triple Bottom Line
Abbildung in Anlehnung an Dr. Frauke Fischer, Grundlagen der Nachhaltigkeit, Fernkurs Haufe Akademie, Basismodul 1, S. 26
2.1 Ökonomie als Bereich der Triple Bottom Line
Wie hängen minimalistisch-regeneratives Führen und Wirtschaftlichkeit zusammen?
Als Organisationsentwicklerin werde ich noch immer mit der irrigen Annahme konfrontiert, dass Ökonomie und Ökologie einander ausschließen. Nachhaltigkeit sei zu teuer, man könne es sich aus unternehmerischer Sicht nicht leisten – so ein häufiger Kommentar. Und Regeneration bedeutet „Nichts tun“ und Stillstand. Aus meiner Sicht ist es genau umgekehrt:
Ökonomisches Denken ist vom Grunde her nachhaltig und regenerativ. Der bewusste, gut durchdachte Einsatz von Ressourcen ist ein Muss.
Wirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein ist darauf gerichtet, das Unternehmen dauerhaft, also nachhaltig, auszurichten. “Wirtschaftlichkeit ist die Grundlage unseres Unternehmens, nicht aber der Unternehmenszweck”, sagt zum Beispiel auch Bodo Janssen, der die Hotelkette Upstalsboom führt.3
Und wenn wir auf die Entstehung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ schauen, wird der wirtschaftliche Aspekt sehr schnell klar. Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz hat 1713 den Begriff für die Forstwirtschaft geprägt und hier bedeutet er, eine Übernutzung zu vermeiden. Von Carlowitz war im Erzgebirge mit der Versorgung des Berg- und Hüttenwesens mit Holz zuständig. Für die Verhüttung der Erze wurden großen Holzmengen gebraucht und Carl von Carlowitz hat auf die Gefahr hingewiesen, dass eine Übernutzung zur Stilllegung des gesamten Industriezweiges führen könnte. Insofern ist die Geburtsstunde der Nachhaltigkeit aufs engste mit ökonomischen Faktoren verknüpft.4
Aus unserer Sicht ist es die Pflicht einer jeden Führungskraft, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. Das bezieht sich zum einen auf den Umgang mit physischen Mitteln wie Geld, Materialien, Einrichtungsgegenständen, die Energieeffizienz an Gebäuden usw..
Gleichzeitig geht es aber auch darum, Bedingungen für die Mitarbeitenden zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, lange und gesund im Unternehmen zu bleiben. Das ist nur mit regenerativem Denken und Führen möglich. Denn Krankheiten der Mitarbeiter:innen und eine hohe Fluktuation zum Beispiel sind alles andere als wirtschaftlich und kosten Unternehmen Unsummen.
Hier zwei Zahlenbeispiele zu den Kosten von Fluktuation und Krankheit, die belegen, dass soziales Führen zutiefst wirtschaftlich ist:
- Die Beratungsgesellschaft Deloitte beziffert die durchschnittlichen Fluktuationskosten mit 14.900,00 Euro pro Stelle!5
- Die deutschen Unternehmen mussten im Jahr 2019 insgesamt 67,5 Milliarden Euro für erkrankte Mitarbeiter:innen aufwenden. Das waren 3,4 Milliarden Euro mehr als 2018 – so ein Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft.6
Ich glaube, diese Zahlen sind für jeden eindringlich und deutlich genug. Auf die sozialen Aspekte gehen wir weiter unten in unserem Beitrag noch ein.
Lasst uns zum zweiten Aspekt der Triple Bottom Line kommen.
2.2 Ökologie als Bereich der Triple Bottom Line
Die Ökologie ist der zweite Bereich der Triple Bottom Line. Wie kannst Du Dich als minimalistisch-regenerative Führungskraft auch ökologisch aufstellen?
Ich denke, dass sich Dein nachhaltiges Denken und Handeln im Hinblick auf Deine ökologische Ausrichtung als Führungskraft an einem ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen ausrichten muss.
Helfen kann Dir hierbei ein Blick auf das Modell der 7 Wesenselemente, das von Friedrich Glasl und Hans von Sassen (Trigon Unternehmensberatung) entwickelt wurde.7 Es umfasst die gesamte Komplexität mit allen Fragen Deines Führungsalltags, gibt Dir gleichzeitig aber eine gute Struktur, die es Dir und Deinem Team ermöglichen, alles im Blick und immer den Überblick zu behalten.

Weshalb ist es sinnvoll, dass Du Dich bei Deiner ökologischen Führung an diesem Modell orientierst?
Mir fällt in der Praxis immer wieder auf, dass Führungskräfte und Entscheider:innen in Unternehmen, die sich regenerativ entwickeln wollen, ganz überwiegend auf Abläufe/Prozesse schauen. Hier wird zum Beispiel versucht, den CO2-Fußabdruck möglichst gering zu halten. Das ist löblich, richtig und wichtig, greift aber aus meiner Sicht zu kurz. Es besteht nämlich die Gefahr, einen “ökologischen Flickenteppich” zusammenzuschustern.
Schaust Du als Führungskraft hingegen auf die gesamte Organisation, kannst Du zu einem wirkungsvollen ökologischen Ineinandergreifen beitragen.
Das Gute an dem Modell von Glasl: Du kannst die 7 Wesenselemente auch bezogen auf Dein Team betrachten:
Hierzu kannst Du Dir – und natürlich auch das gesamte Team – die folgenden Fragen stellen
1. Was ist unsere minimalistisch-regenerative Teamvision?
Regeneratives Wirtschaften macht Sinn. Und wenn der Sinn klar ist, ergibt sich daraus zwangsläufig eine hohe Motivation für alle Mitarbeiter:innen Deines Teams. Was also ist der Purpose für Dein Team? Überlegt und diskutiert das gemeinsam in einem Teammeeting.
2. Mit welcher Strategie füllen wir unsere Vision mit Leben?
Was ist unsere Strategie im doppelten Sinne:
- Wie stellen wir uns als Team minimalistisch-regenerativ auf und
- wie setzen wir unsere Strategie um – immer auch hier mit dem Nachhaltigkeitsgedanken im Hinterkopf.
3. Wie minimalistisch-regenerativ sind unsere Abläufe/Prozesse?
Inwiefern sind die 5Rs der Nachhaltigkeit bei uns allen im Team präsent?
- RETHINK – Veränderung fängt im Kopf an – Wie ist es um Euer Sustainability Mindset bestellt?
- REDUCE – Wann ist es genug? Trage den Suffizienz-Gedanken in Dir!
- REUSE – Wiederverwenden statt Wegwerfen – Was alles können wir mehrfach nutzen?
- REPAIR – Repariere Dinge, um ihre Lebensdauer zu verlängern!
- RECYCLE – Was kann ein zweites Leben bekommen? 8
Wie ist es um unseren CO2-Fußabdruck bestellt?
4. Wie minimalistisch gehen wir im Team mit physischen Mitteln um (Geld / Maschinen etc.)?
Auch hier kann Euch wieder ein Blick auf die 5Rs helfen. Lasst sie zum ständigen Begleiter Eures Alltags werden und bezieht sie in alle Entscheidungen, die ihr trefft, mit ein.
5. Wie sehen für uns minimalistisch-regenerative Strukturen aus?
Welche Art von Organisations-Strukturen braucht Ihr, um im Team regenerativ zu leben und zu wirtschaften? Ist es eine strenge Hierarchie? Partizipation? Selbstorganisation? Was bringt Euch wirklich weiter?
6. Wie nachhaltig gestalten wir Funktionen (unsere Tätigkeiten, Rollen, Verantwortungen, Kompetenzen)?
Wie könnt Ihr Euch hier aufstellen, um eine reibungslose Zusammenarbeit, in der sich niemand unter- oder überfordert fühlt, zu gewährleisten? Was macht Ihr? Wovon verabschiedet Ihr Euch?
7. Wie zieldienlich ist unser Miteinander, unsere Beziehungen?
Wie tragfähig ist Eure Kommunikation? Welche Rolle spielen der Umgang miteinander, Anerkennung & Wertschätzung? Das Unternehmen Soulbottle – für mich ein wahres nachhaltiges Pionierunternehmen – bietet zum Beispiel allen Mitarbeiter:innen Kurse in Gewaltfreier Kommunikation an.
2.3 Soziales als Bereich der Triple Bottom Line
Das Zusammenspiel der drei Bereiche der Triple Bottom Line ist Dir nun schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Unter dem Bereich “Ökonomie der Triple Bottom Line” habe ich bereits auf die hohen Kosten für Fluktuation und auf krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeiter:innen verwiesen.
Diese Fragestellungen haben einen starken Bezug zum sozialen Bereich des Triple Bottom Line Ansatzes. Denn eines ist ganz klar: Wenn sich Deine Leute im Unternehmen und im Team wohl fühlen, gibt es automatisch weniger Konflikte, weniger Krankschreibungen, eine geringere Fluktuation.
Es ist also unerlässlich, einen Blick auch auf den dritten, den sozialen, Bereich der Triple Bottom Line zu werfen. Und das kannst Du als Führungskraft zum einen nach innen tun:
- Wie gestalten sich die Beziehungen des Miteinanders?
- Und nach außen: Wie gestalten sich die Beziehungen zu externen Stakeholdern?
In den wissenschaftlichen Beiträgen zur Triple Bottom Line Methode wird das Gewicht stark nach Außen gerichtet und auf das Wesenselement der Vision. Es wird hier vor allem auf die Wirkung, den Impact, eines Unternehmens im Hinblick auf die Gesellschaft geblickt. Die Frage: ”Welchen positiven Beitrag leistet das Unternehmen zu einer gerechteren, sozialen Welt?” steht hier im Vordergrund. Das ist wichtig und gut. Mich beschäftigt aber auch immer die Frage, wie es im Inneren des Unternehmens aussieht?
Welche Bedingungen müssen wir schaffen, so sagte Götz Werner, dass Menschen bei uns arbeiten wollen. Wer ist eigentlich für wen da? Das Unternehmen für die Mitarbeitenden oder die Mitarbeitenden für das Unternehmen? Das ist die Frage, die sich der Gründer von dm bereits in den 70er Jahren stellte.9
Wenn Ihr den Business-Minimalismus-Ansatz konsequent lebt, führt das quasi automatisch zu Zeitwohlstand, echten Beziehungen und zur Potenzialentfaltung – ganz im Sinne der sozialen Komponente der Triple Bottom Line.
3. Und so geht es weiter
Nun haben wir schon einiges erfahren über die Triple Bottom Line und erste Fragen zu Ansätzen einer minimalistisch-regenerativen Führung gestellt.
Im nächsten Artikel werfen wir einen kurzen Blick auf die Darstellungsform der Triple Bottom Line als integratives Modell, Vorrangmodell oder Strategiemodell (Säulenmodell).
Und hier kannst du direkt zu Teil 3 unserer Serie der Triple Bottom Line in Verbindung mit minimalistisch-regenerativer Führung springen.

Autorin: Kathrin Scheel
Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Inhaberin von zeitsprung. Ihr liegt eine ausreichende Regeneration von Menschen und der Natur am Herzen. Business-Minimalismus kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Quellen
1) Handelszeitung Schweiz, Finanzlexikon, Triple-Bottom-Line, https://www.handelszeitung.ch/finanzlexikon/triple-bottom-line, Abruf am 14.05.2022
2) Handelszeitung Schweiz, Finanzlexikon, a.a.O.
3) Film: Die stille Revolution
4) Dr. Frauke Fischer, Fernkurs Haufe, Sustainable Business Transformation, Basismodul 01, Grundlagen Nachhaltigkeit, S. 10
5) https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/at/Documents/consulting/at-deloitte-fluktuationsstudie-2019.pdf, Abruf am 31.05.2022
6) https://www.iwd.de/artikel/was-krankheiten-die-arbeitgeber-kosten-498293/, iwd Artikel, Abruf 31.05.2022
7) Glasl, Kalcher, Piber, Professionelle Prozessberatung, S. 84 ff.
8) https://wastelandrebel.de/die-5-rs-von-zero-waste/, Abruf am 11.07.2022
9) Götz Werner, Womit ich nie gerechnet habe
10) Dr. Frauke Fischer, Fernkurs, Sustainable Business Transformation, Basismodul 01, Grundlagen der Nachhaltigkeit, S. 25
11) a.a.O., S. 27
12) https://stephangrabmeier.de/bani-vs-vuca/, Abgerufen am 01.06.2022
13) Reckhaus, Hans-Dietrich, Fliegen lassen. Wie man radikal und konsequent neu wirtschaftet.
14) Don Dahlmann, https://www.businessinsider.de/gruenderszene/automotive-mobility/drehmoment-krise-airlines-lufthansa-a/?tpcc=offsite_gs_e-mail_daily, Abruf am 12.07.2022
15) https://www.sdg-allianz.li/das-7-generationen-prinzip-der-irokesen/, Abruf am 11.07.2022
16) Isabel Rimanoczy, Sustainability Mindset, Routledge London and New York, 2021, S. 21