Im ersten Artikel dieser Reihe haben wir schon einiges erfahren über die Triple Bottom Line und erste Fragen zu Ansätzen einer minimalistisch-regenerativen Führung gestellt.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Darstellungsform der Triple Bottom Line.
1. Das Säulenmodell der Triple Bottom Line
Es gibt hier einmal das Säulenmodell. Alle 3 Säulen stehen nebeneinander. Das ist eine Form, die ich häufig – auch als Strategiemodell – in Unternehmen gefunden habe (inklusive in Großkonzernen).
Säulenmodell der Triple Bottom Line
Abbildung in Anlehnung an Dr. Frauke Fischer, Grundlagen der Nachhaltigkeit, Fernkurs Haufe Akademie, Basismodul 1, S. 26
Diese Sichtweise enthält zwar alle Bereiche (Ökonomie, Ökologie und Soziales), birgt aber die Gefahr, dass in der Praxis von einem Ausgleich der drei Dimensionen ausgegangen wird.
Danach können Verluste in einem Bereich durch einen anderen ausgeglichen werden.
“So ist es vertretbar, einen Wald zu roden, um dort einen Flugplatz zu bauen. Der Verlust an ökologischem Wert wird gegen den Gewinn an ökonomischem und gesellschaftlichem Wert aufgerechnet.” 1
Für mich birgt dieser Ansatz immer die Gefahr des Greenwashing, nach dem Motto: Wir wären ja sehr gerne nachhaltig oder regenerativ unterwegs, aber ökologische und soziale Gegebenheiten haben uns gezwungen, xy zuzustimmen.”
Als Systemikerin bevorzuge ich persönlich das integrative Modell, basierend auf dem Ansatz der Triple Bottom Line von Elkington. Hiernach sind alle drei Bereiche (Ökonomie/Ökologie/Soziales Denken und Tun) gleichwertig.
Für mich eröffnet dieses Herangehen das, was ich unter minimalistisch-regenerativer Führung verstehe: Weniger steuern und mehr ermöglichen. Klarheit schaffen, indem Unnötiges losgelassen wird, ohne dass der Blick auf die Auswirkungen unserer Handlungen verloren geht. Nur so finden wir aus meiner Sicht heraus, was wirklich wesentlich ist.
2. Das integrative Modell der Triple Bottom Line

3. Das Vorrangmodell der Triple Bottom Line
Ein drittes Modell ist das der konzentrischen Kreise. Hier wird ganz klar der Ökologie der Vorrang eingeräumt. Hintergrund ist der Gedanke, dass es ohne gesunde Ökologie auch keine soziale Entwicklung der Gesellschaften geben kann und in der Folge auch kein vernünftiges wirtschaftliches Handeln.2
Vorrangmodell der Triple Bottom Line
(Abbildung in Anlehnung an Dr. Frauke Fischer, Grundlagen der Nachhaltigkeit, Fernkurs Haufe Akademie, Basismodul 1, S. 27)
Auch dem Vorrang-Modell, das Ihr in der Literatur auch als “starkes” Modell findet, können wir voll zustimmen.
Da wir uns aber gerade in der Praxis häufig mit Spannungsfeldern und Aushandlungsprozessen zwischen den einzelnen Bereichen der Triple Bottom Line konfrontiert sehen, haben wir uns für das weitere Vorgehen für den integrativen Ansatz entschieden. Dafür spricht auch, dass wir diesen Ansatz
- in seinem Zusammenspiel von Ökonomie, Ökologie und Sozialem als sehr systemisch erachten
- in der Praxis sehr gut in Aushandlungsprozesse gehen können
- mit positivem Impact auch ein lebenswertes, lebensfähiges, faires Miteinander verbinden.
Hier ist das Modell des integrativen Ansatzes noch einmal:
4. Und so geht es weiter
Im dritten Teil wollen wir den Bezug zwischen der Triple Bottom Line und Deinem minimalistisch-regenerativen Führungsstil noch näher beleuchten und dir ganz konkrete Tipps für Deinen Alltag mitgeben.
Und hier kannst du Teil 1 unserer Serie zum Thema Nachhaltige Führung nachlesen.

Autorin: Kathrin Scheel
Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Inhaberin von zeitsprung. Ihr liegt eine ausreichende Regeneration von Menschen und der Natur am Herzen. Business-Minimalismus kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Quellen
1) Dr. Frauke Fischer, Fernkurs, Sustainable Business Transformation, Basismodul 01, Grundlagen der Nachhaltigkeit, S. 25
2) a.a.O., S. 27